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Franziska Hille

Ver_Rückte Zustände, Selbst(für)sorge und Psychiatriekritik im Kontext gegenwärtiger neoliberaler gesellschaftlicher Verhältnisse

 

 

Franziska Hille

Ver_Rückte Zustände, Selbst(für)sorge und Psychiatriekritik im Kontext gegenwärtiger neoliberaler gesellschaftlicher Verhältnisse

In meinem Promotionsprojekt geht es aus queer_feministischen neoliberalismuskritischen Mad Studies -Perspektiven um die Frage, was Selbstfürsorge für Menschen, die aufgrund ver_Rückter Zustände psychiatriebetroffen geworden sind, im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher Verhältnisse bedeutet.

Der Begriff 'ver_Rückte Zustände' bezeichnet im Zusammenhang mit meiner Fragestellung zweierlei: zum einen wird Bezug genommen auf individuelle ver_Rückte Zustände und zwar als Selbstbezeichnung für ein Bündel von Erfahrungen, Wissen und auch Identifikationen. Zum anderen zielt er darauf ab, die gesellschaftlichen Zustände, die erst dazu führen, dass Menschen als ver_Rückt von der Norm diagnostiziert bzw. als ver_Rückte Subjekte konstituiert werden, ebenso als ver_Rückte und ver_Rückende Zustände markieren zu können.

In meinen Vorannahmen zu meiner Forschungsarbeit bildet sich eine Ambivalenz der gesellschaftlichen Verhältnisse ab: Selbstfürsorge als Praxis des Selbst gedacht, kann einerseits für Menschen, die ver_Rückte Zustände erlebt haben und erleben eine wichtige Rolle spielen, um unabhängig(er) vom psychiatrischen System zu werden und für manche mindestens die Lebensqualität enorm steigern, oft auch überlebensnotwendig sein. Andererseits und zugleich werden im Zuge neoliberaler Verhältnisse gesellschaftliche Schieflagen und Hervorbringungen von Leid in eine – nicht erfüllbare – Verantwortlichkeit des einzelnen Subjektes verschoben: nämlich Selbstfürsorge betreiben zu sollen.

Problematisch an dieser Verschiebung von gesellschaftlicher Verantwortung auf die Ebene des Subjektes ist neben weiterem, dass damit Überforderung, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe einhergehen, nicht gut oder nicht gut genug oder nicht richtig für sich gesorgt zu haben und zu sorgen und dass Krisen daher (vermeintlich) selbstverschuldet seien. Diese Individualisierung gesellschaftlicher Missstände wird in meinem Projekt kritisch in den Blick genommen. So geht es schließlich um Empowerment und um einen Beitrag zu emanzipatorischen gesellschaftlichen Veränderungen.

Das Projekt ist transdisziplinär in Mad Studies, User/Survivor Research, Gender und Queer Studies, Soziologie und Kritischer Psychologie verortet.

 

 

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