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TU Berlin

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laufende Projekte

Lisa Bor
»Klick und weg« - Digitalisierte Auslagerung von Versorgungsarbeit und Geschlechterverhältnisse (Arbeitstitel)

Folke Brodersen
Sexualität kontrollieren. Präventive Praxis und pädophiles Selbst. (Arbeitstitel)

Sophia ErmertÖffentlichkeit aus feministischer Perspektive (Arbeitstitel)

Martin Heger
Society Reloaded. 
Klassifikationen und Ab/Ausgrenzungen als gesellschaftskonstituierende Strategie? (Arbeitstitel)

Maria Magdalena Mayer
Mitleid, Mitgefühl, Solidarität – nationale Grenzenzen?
Diskursanalytische Untersuchungen der ›Politiken der Gefühle‹ und der Konstruktion nationaler Identität im Diskurs um Flucht und Migration nach Europa aus affekt- und geschlechterwissenschaftlicher Perspektive (Arbeitstitel)

Inga Nüthen
Queer_feministische Begriffe des Politischen (Arbeitstitel)

Myriam Raboldt
Doing Sex. Zur Materialisierung männlicher Geschlechtskörper durch Prothetik (Arbeitstitel)

Sebastian Scheele
Genealogie der Verbündeten. Zur transatlantischen Reise des Privilegien-Diskurses in Feminismus und Antirassismus

Francis Seeck
Care trans*formieren – Eine Ethnographie kollektiver Für_Sorge Praktiken jenseits von Cis- und Heteronormativität

Svenja Spyra
('Queere') 'Femme'. Eine qualitative Studie zu subkulturell-politischen Räumen in Deutschland (Arbeitstitel)

Juliette Wedl
Gender Studies meets Diskursforschung (Arbeitstitel)

 

 

Lisa Bor

»Klick und weg« - Digitalisierte Auslagerung von Versorgungsarbeit und Geschlechterverhältnisse

Der private Haushalt war und ist vielfältig als Arbeitsplatz umstritten. Auch derzeit zeigen sich Umstrukturierungen. Im Zuge neoliberaler Neuorganisierung von Arbeit wird auch der private Haushalt zu einem jener Arbeitsmärkte, die mit digitaler Technologie organisiert werden. Dabei werden Menschen nicht durch Maschinen ersetzt – bestimmte Tätigkeiten wie Reparaturen, Renovieren und auch sogenannte »haushaltsnaher Dienstleistungen« (Einkaufen, Kochen, Putzen) und Pflege erfordern noch immer zwingend die Anwesenheit und körperlichen Einsatz einer Arbeiter*in. Start-Ups entwickelten in den letzten 5 Jahren technologischen Lösungen, die diverse Haushaltsunterstützende Tätigkeiten zum Einkauf bereitstellen und adressieren damit Haushalte mit hohem Einkommen - Einverdienerhaushalte und solche mit zwei Einkommen und bis zu einem Kind stellen den größten Marktanteil. Gleichzeitig sind es anteilig vor allem Geringqualifizierte, Migrant*innen und Frauen, die als Arbeiter*innen in diesen Sektoren angesprochen sind.

Mit dem Ausbau von Plattformen, die vor allem im Bereich Handwerk Soloselbstständigkeit im Niedriglohnsektor vorantrieben (Lorig, 2015) entstanden solche Onlineportale, die Haushaltshilfen und Putzkräfte vermitteln. Dieser Arbeitsmarkt  interessiert mich. Denn Digitalisierung, das heißt digitale, kontrollierbare, messbare , vergleichende Organisation der Arbeit ist im neoliberalen Kapitalismus in vielen Bereichen mit schlechteren Konditionen und Entgrenzung zwischen Arbeit und Nichtarbeitszeit verbunden - Wie betrifft das den vielfach informellen Sektor der Versorgungsarbeit im Privathaushalt? Ich möchte die instrumentelle Funktionsweise verschiedener Onlineplattformen sowie die Beziehung zwischen Dienstleistenden und Kundschaft untersuchen. Mich interessiert die Technologie als Zusammenspiel von Arbeiter*in – Kundschaft – Technik. Vor allem interessieren mich die Ausgestaltung der Arbeitsverhältnisse, die Motivation der Kundschaft, die Strategien und die Widerständigkeit der Arbeiter*innen.

 

 

Folke Brodersen

Sexualität kontrollieren. Präventive Praxis und pädophiles Selbst. (Arbeitstitel)

Das Promotionsprojekt untersucht den Konnex sexueller Kontrolle in Bezug auf sexuellen Kindesmissbrauch und Pädophilie. Innerhalb der Therapeutik von institutionellen psychotherapeutischen und Angeboten der Selbsthilfe stellt diese Kontrolle die präventive Antwort auf das gesellschaftliche Problem der Pädophilie und die damit assoziierte Gefahr sexuellen Kindesmissbrauchs dar. Qualitativ neuartig ist dabei die Adressierung freiwilliger Teilnehmender, die Untersuchung sexueller Fantasien und die damit verbundene Zukunftsvision einer Inklusion in Gesellschaft. Die makropolitische Bewegung der stärkenden Immunisierung' ist dabei, so die These des Projektes, verbunden mit Techniken sexueller Kontrolle der Teilnehmenden, d.h. mit mit angeleiteten wie eigenlogischen, subjektivierenden Praxen, spezifischen Techniken und Selbstverhältnissen. Das Promotionsprojekt fragt nach der Funktionsweise und Bedeutung dieser sexuellen Kontrolle und betrachtet dafür das Zusammenspiel dreier Ebenen: der Organisation in Behandlungsmanualen und Selbsthilfeprogrammen, der alltäglichen praktischen Umgangsstrategien und Positionierungen der Teilnehmenden und der gesellschaftspolitischen Einordnung der Programme. Es untersucht damit eine zunehmend relevante Institution, perspektiviert als Fallbeispiel das Konzept sexueller Kontrolle als Modus der Selbstbeherrschung und entwickelt die queertheoretische Gesellschaftsanalyse des Verhältnisses von Norm und Abweichung weiter.

Sophia Ermert

Öffentlichkeit aus feministischer Perspektive (Arbeitstitel)
 
»Öffentlichkeit« gilt als der Ort politischer Aushandlung. Aus feministischer Perspektive verbinden sich mit dieser gängigen Vorstellung von »Öffentlichkeit« jedoch viele kritische Fragen. Denn Machtverhältnisse erschweren oder verhindern gar den Eintritt in jenen politischen Kommunikationsraum. Es ist demnach notwendig nach einem Verständnis von »Öffentlichkeit« zu fragen, das Dynamiken des Aus- und Einschlusses feministischer und widerständiger Kommunikation erfasst. Es gilt, das Verhältnis zwischen hegemonialer und widerständiger Öffentlichkeit zu diskutieren und sich auf die Suche zu machen nach den Bedingungen, die sozialen Wandel über »Öffentlichkeit« ermöglichen.

Martin Heger

Society Reloaded. Klassifikation und Ab/Ausgrenzung als gesellschaftskonstituierende Strategie? (Arbeitstitel)


In den vergangenen Jahren haben sich die industriell entwickelten Länder in vielen Bereichen verändert. Viele dieser Gesellschaften beschreiten heute „neue“ Wege was die Artikulation und Durchsetzung politischer und sozialer Ziele betrifft. Aber nicht nur die entscheidenden Akteure stehen vor diesen Herausforderungen, auch die BürgerInnen müssen sich mit verschärften Bedingungen [hohe Arbeitslosigkeit, zunehmendes Armutsrisiko, Ressourcenknappheit etc.] arrangieren. Hier setzt mein Dissertationsprojekt an. Im Hinblick auf die symbolische Dimension sozialer Ungleichheit wird mit einer diskursanalytischen Herangehensweise die mediale Präsenz von Arbeitslosengeld-II-EmpfängerInnen [als eine Kategorie von Überflüssigen] untersucht. Anhand der Analyse des empirischen Materials [Zeitungsartikel] soll die Konstruiertheit von überflüssigen Identitäten rekonstruiert werden. Welche Begriffe, welche Bilder, welche Deutungsrepertoires werden verwendet, die in ihrer Gesamtheit den performativen Charakter dieses „Überflüssig-Gemacht-Werdens“ ausmachen? Ein Ziel der Untersuchung ist es, „regulatorische Regime“ zu isolieren, welche die hegemonialen Handlungs- und Definitionsstrategien formen, und somit bestehende Selbstverständlichkeiten in Frage zu stellen, auf die das Selbstverständnis der westlichen Zivilisation beruht.

 

 

Maria Magdalena Mayer

Mitleid, Mitgefuhl, Solidaritat – nationale Grenzen?

Diskursanalytische Untersuchungen der 'Politiken der Gefühle' und der Konstruktion nationaler Identität im Diskurs um Flucht und Migration nach Europa aus affekt- und geschlechterwissenschaftlicher Perspektive (Arbeitstitel)

 

Die ›Fluchtlingskrise‹ dominiert 2015 und 2016 sowohl Medien wie Politik. Mitleid, Mitgefühl, Empathie – diese Begriffe scheinen dabei medial eine neue Konjunktur zu erleben, konnen aber einerseits zu einem in Frage stellen nationaler Grenzen und Identitäten führen, und andererseits zu Argumenten für starke, durchsetzungsfähige Nationalstaaten sowohl abgewehrt wie angerufen werden.

Die Dissertation setzt sich deswegen kritisch mit der Bedeutung von Mitgefühl und Empathie und deren Verwobenheit im politischen Diskurs unter affekt- und emotionstheoretischen Aspekten auseinander. Die in der feministischen Politikwissenschaft verortete Arbeit verwendet dafür ein intersektionales Framework, das sich sowohl mit kritischer Migrationsforschung, Politiken des belongings und citizenship sowie Erkenntnissen zu nationaler Identität auseinandersetzt. Leitend für die Arbeit ist dabei die Frage, welche diskursiven Zusammenhänge zwischen ›Mitgefül‹, ›Mitleid‹ und ›Solidarität‹ im Diskurs um Migration 2015 und 2016 produziert werden und welche Bedeutung diese Diskurse für die Konstruktion der nationalen Identität Deutschlands und Österreichs innerhalb struktureller Rassismen und hierarchischer Geschlechter- und Klassenverhältnissen haben.

In einer Diskursanalyse von Tageszeitungen und Parlamentsdebatten in Deutschland und Österreich 2015 und 2016, die sich mit Themen der Migration auseinandersetzen, beschäftigt sich die Arbeit auch mit Fragen rund um politische Akteur_innen und deren Agency und schließt damit an wichtige geschlechtertheoretische und anti-rassistische Forschungsfelder an.

 

Inga Nüthen

Queer_feministische Begriffe des Politischen (Arbeitstitel)

Die Frage danach, wovon die Rede ist, wenn wir über Politik sprechen, ist eine der grundlegenden Fragen politikwissenschaftlichen Denkens. Der Politikbegriff war theoriegeschichtlich stets umstritten, während die politik-theoretische Debatte in ihrem Kern gleichzeitig androzentrisch verengt geblieben ist. In queer_feministischen Theorien finden sich eine Vielzahl von Konzepten, die gängige Perspektiven auf Politik kritisch reflektieren und Vorschläge für eine Erweiterung oder Transformation des Begriffs machen. Dieses komplexe Begriffsfeld rekonstruiere ich in meinem Dissertationsprojekt anhand zentraler Diskussionsstränge, wie etwa Macht, Kontingenz, öffentlich-privat, Dissens und Solidarität. Ziel meiner Zusammenstellung ist es, ein mehrdimensionales, queer_feministisches Politikverständnis für eine politik-theoretische Rezeption zugänglich zu machen.

 

 

Myriam Raboldt

Doing Sex. Zur Materialisierung männlicher Geschlechtskörper durch Prothetik (Arbeitstitel)


Prothesen hängen so unmittelbar mit dem menschlichen Körper zusammen wie kaum ein anderes technisches Artefakt. Die Beschäftigung mit Prothesen kann ohne ein Nachdenken über den Körper kaum stattfinden und Fragen nach dessen ästhetischen wie funktionalen Normen und (Selbst-)Wahrnehmungen, vor allem denen von Geschlechtskörpern, drängen sich nahezu auf.

In diesem Dissertationsprojekt wird ausgehend von der Annahme eines Doing Gender durch Techniknutzung den Praxen der technischen Konstruktion von Männlichkeit|en in Form bestimmter Körpermaterialisierungen und -funktionen – also einem Doing Sex durch Techniknutzung – nachgegangen. Dafür soll über ein Verständnis von Prothesen im Sinne von Apparaten hinausgedacht und stattdessen weitere Praxen als Geschlechtskörperprothesen in den Blick genommen werden: Schwellkörper- oder Hodenimplantate als dinglich-apparathafte Prothesen, Hormontherapien und andere Wirkstoffe als chemische Prothesen, plastische Chirurgie als organische Prothetik.

Der Fokus liegt auf dem cis-männlichen (Techno-)Körper, der damit als »quasi geschlechtsloser Normkörper« (Wöllmann 2005: 140) in den wissenschaftlichen Blick genommen wird, wodurch die Arbeit einem mehrfach konstatierten Forschungsdesiderat nachgeht. Den zeitlichen Rahmen bietet die sich in den 1960er Jahren konstituierende Andrologie als Ort der »Neuerfindung des Männerkörpers« (ebd.), die bislang nicht in den Blick der Geschlechterforschung geraten ist.

In Anlehnung an Hofer (2007: 212), der konstatiert, dass die »Bedeutung von Männlichkeits-konstruktionen für medizinisches Wissen und Handeln insgesamt noch zu wenig betrachtet worden« ist, lauten die forschungsleitenden Ausgangsfragen: Welche Vorstellungen von (hegemonialer) Männlichkeit stecken in den von der Medizin angestrebten Zielen therapeutischer Maßnahmen und folglich in der Entwicklung medizintechnologischer Produkte? Wie formen diese Technologien wiederum die Geschlechtskörper und gesellschaftliche Normvorstellungen von Geschlecht und Sexualität?

Die Arbeit verortet sich damit in der geschlechterperspektivischen Technikwissenschaftsforschung und leistet einen Beitrag zur Männlichkeits- sowie zur kritischen Medizinforschung.


Sebastian Scheele

Genealogie der Verbündeten.
Zur transatlantischen Reise des Privilegien-Diskurses in Feminismus und Antirassismus


In Feminismus und Antirassismus werden Machtverhältnisse in den letzten Jahren zunehmend mithilfe der Begriffe von Privilegien und Privilegierten thematisiert. Dieser „Privilegien-Diskurs“ taucht in den verschiedensten Feldern feministischer und antirassistischer Wissensproduktion auf: von aktivistischen Gruppen über die akademische Theoriebildung bis hin zu universitärer Personalpolitik. Eigene Textgenres wie „Privilegien-Checklisten“ haben sich herausgebildet, Kanonisierungstendenzen z.B. in Lehrbüchern sind zu beobachten. Dies gilt auch für den handlungsanleitenden Teildiskurs zu „Verbündeten“ (englisch: „allies“), der sich ebenfalls weiter verbreitet. Gleichzeitig verläuft die Debatte um den Privilegien-Begriff stark polarisiert – neben der schnellen Verbreitung existiert eine starke Ablehnung. Offenkundig ist, dass der Diskurs aus Nordamerika stammt, und seine Bedeutungen, Begründungszusammenhänge und Brisanzen dort nicht unbedingt identisch sind mit denen im deutschsprachigen Kontext. Es handelt sich um eine „travelling theory“, deren Genealogie wissenssoziologisch nachgezeichnet werden soll.
Methodisch wird dies in einem Zweischritt geleistet: Zuerst werden mithilfe von Sekundärliteratur zu Antirassismus und Feminismus Kontexte und zentrale Debatten identifiziert. Dann werden Schlüsseldokumente aus diesen Debatten diskursanalytisch auf ihre Regelhaftigkeiten und argumentativen Rahmungen untersucht.
Ziel der Arbeit ist es, diesen aktuellen Diskurs zu re-kontextualisieren und seine Entwicklung zu verstehen. Damit verbindet sich die Hoffnung, mit einer solchen Genealogie Impulse liefern zu können für die Debatte zu den (Un)Möglichkeiten von Bündnissen und Verbündeten, und dadurch idealerweise jenseits festgefahrener Polarisierungen zu feministischer und antirassistischer Praxis beizutragen.

Francis Seeck

Care trans*formieren – Eine Ethnographie kollektiver Für_Sorge Praktiken jenseits von Cis- und Heteronormativität

 

Kollektive Care Praktiken jenseits von Cis- und Heteronormativität stehen im Mittelpunkt von meinem Dissertationsprojekt. Ausgehend von Für_Sorge Praktiken von Personen, die sich als trans* und/oder nicht_binär identifizieren, widmet sich mein Dissertationsprojekt der Frage, wie Care jenseits von cis- und heteronormativen Modellen organisiert und trans*formiert wird.

Ich forschte über einen Zeitraum von 1,5 Jahren ethnographisch in Kollaboration mit trans* und nicht-binären Aktivist_innen in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz. Im Sinne einer multi-sided ethnography (Marcus 1995) folgte ich meinen Forschungspartner_innen in queere Friseur_innen Salons, Vereinsräume, Kliniken, an Küchentische, auf trans* Tagungen und in Unterstützungs-Gruppen. Ich führte zusätzlich zu den beobachtenden Teilnahmen 20 dialogische Interviews mit trans* Aktivist_innen. Kollektive trans* Care Praktiken werden als Gegenentwürfe zu pathologisierenden und cisnormativen medizinischen Strukturen aufgebaut (Spade 2011, Erickson Schroth 2014). Ein Großteil dieser Care Praktiken finden unter prekären und informellen Bedingungen statt, bieten aber gleichzeitig Möglichkeiten neue Formen von Care zu entwerfen.

Im Fokus der Studie steht die Frage, wie Care Praktiken in trans* und nicht-binären Räumen verhandelt und konzeptualisiert werden. Inwiefern geraten hegemoniale Formen von Care in Bewegung? Welche (neue) Formen von Kollektivität werden entwickelt? Welche Bedeutung spielen die Kategorien Klasse, Alter und Stadt/Land? Welche Imaginationen und Zukunftsentwürfe von Trans* und Queer Care werden entworfen?

Bezugnehmend auf Ansätze queerer und feministischer Ethnographie widmet sich meine Forschung zudem der methodologischen Frage, wie Care als eine machtkritische methodologische Praxis genutzt werden kann. Mein Dissertationsprojekt bewegt sich im Schnittfeld von Trans Studies, Queerfeministischer Kulturanthropologie und Engagierter Ethnographie. Es widmet sich trans* Für_Sorge Praktiken, die bisher in der Forschung um Care vernachlässigt wurden und knüpft gleichzeitig an gegenwärtige Debatten im Feld der Queer und Trans Studies zu Care und Prekarität an.

Svenja Spyra

(‚Queere‘) ‚Femme‘.
Eine qualitative Studie zu subkulturell-politischen Räumen in Deutschland
(Arbeitstitel)

In der wissenschaftlichen Literatur der letzten 30 Jahre (vgl. Hark 1989, Engel 1996, Schader 2004, Fuchs 2009) zeichnet sich als strukturelle Voraussetzung von Teilhabe am 'lesbischen', ,queeren' und ,feministischen' Aktivismus (Ommert 2016) in Deutschland eher eine Präferenz 'maskuliner' und 'androgyner' Verkörperungen ab. Dies wirft Fragen nach der Verhandlung von ,Femininität', sowie gegenwärtigen aktivistischen Zielsetzungen und Repräsentationsansprüchen auf, aber auch nach den dortigen Bedingungen der Subjektkonfiguration. Bisherige (empirische) queertheoretische und soziologische Forschung in Deutschland (vgl. z.B. Engel 2002, 2009; Schirmer 2009; Schuster 2010; Ommert 2016) hat sich kaum mit Wissensbeständen hinsichtlich der soziokulturellen Repräsentation(en) von ,Femininität' oder ('queerer') 'Femme'-ininität (vgl. auch Fuchs 2009), sowie mit Aspekten der Vergemeinschaftung in aktivistischen Zusammenhängen befasst. Dies regt an, die Verhandlung komplexer, reflexiver Gemeinschaften vom Körper her zu denken und darin enthaltene Bedingungen der Subjektkonfiguration zu betrachten. An den Schnittstellen von Wissens- und Kultursoziologie, Gender Studies und Körpersoziologie beleuchtet das Projekt in Form einer soziologischen Gegenwartsanalyse, wie sich das Subjekt der (,queeren') ,Femme' formiert und Zugehörigkeit in aktivistischen Zusammenhängen prozessual verhandelt wird. Forschungsleitend sind Fragen nach Aspekten der Konstruktion, Konstitution, Repräsentation und (Re-)Produktion des Subjekts 'Femme' und der damit verbundenen Herstellung bzw. Verhandlung von ,Femininität'. Das Projekt arbeitet im Feld der qualitativen Sozialforschung und fokussiert primär eine kollektive Ebene, in Rückkoppelung an soziale Ordnungen. Die Studie kombiniert themenzentrierte Interviews mit Gruppendiskussionen und wertet beide mittels der Dokumentarischen Methode aus.

Juliette Wedl

Gender Studies meets Diskursforschung (Arbeitstitel)

Die kumulative Promotion versammelt Beiträge rund um die Diskursforschung und die Gender Studies im deutschsprachigen Raum. Den Kern bilden dabei Artikel, die das Verhältnis der Gender Studies zur Diskursforschung in den Fokus setzen, so u.a. zum (feministischen) Verständnis von Materialitäten oder zur Bedeutung von Diskursforschung in den Gender Studies. Die zwei noch geplanten Veröffentlichungen gehen diesem näher nach und untersuchen zum einen die konkreten diskursanalytischen Ansätze zur Materialität und ihre Bedeutung für feministische Forschung sowie der Poststrukturalismus in den Gender Studies vor dem Gender Trouble im deutschsprachigen Raum.

Darüber hinaus finden Artikel zur Diskursforschung sowie zur Geschlechterforschung Eingang in die Promotion, wobei im Rahmentext das Verhältnis beider Wissenschaftsfelder zueinander ausgelotet werden soll.

Die bereits veröffentlichten Beiträge sind v.a.:
Materialitäten dekonstruktiv begreifen. (gem. mit Corinna Bath und Bettina Wahrig) In: Onnen, Corinna/ Rode-Breymann, Susanne (Hrsg.): Zum Selbstverständnis der Gender Studies. Methoden – Methodologien – theoretische Diskussionen und empirische Übersetzungen. Opladen 2017, 15-28

Diskursforschung in den Gender Studies. In: Angermuller, Johannes/ Nonhoff, Martin/ Herschinger, Eva/ Macgilchrist, Felicitas/ Reisigl, Martin/ Wedl, Juliette/ Wrana, Daniel/ Ziem, Alexander (Hrsg.): Diskursforschung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Bielefeld 2014, 276-299.

Diskursforschung in der Soziologie. (gem. mit Johannes Angermuller) In: Angermuller, Johannes/ Nonhoff, Martin/ Herschinger, Eva/ Macgilchrist, Felicitas/ Reisigl, Martin/ Wedl, Juliette/ Wrana, Daniel/ Ziem, Alexander (Hrsg.): Diskursforschung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Bielefeld 2014, 162-191.

Von der Medienvergessenheit der Diskursanalyse. Reflexionen zum Zusammenhang von Dispositiv, Medien und Gouvernementalität. (gem. mit Stefan Meier) In: Angermuller, Johannes/ Nonhoff, Martin/ Herschinger, Eva/ Macgilchrist, Felicitas/ Reisigl, Martin/ Wedl, Juliette/ Wrana, Daniel/ Ziem, Alexander (Hrsg.): Diskursforschung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Bielefeld 2014, 411-435.

Diskursforschung oder Inhaltsanalyse? Ähnlichkeiten, Differenzen und In-/Kompatibilitäten. (gem. mit Eva Herschinger, Ludwig Gasteiger) In: Angermuller, Johannes/ Nonhoff, Martin/ Herschinger, Eva/ Macgilchrist, Felicitas/ Reisigl, Martin/ Wedl, Juliette/ Wrana, Daniel/ Ziem, Alexander (Hrsg.): Diskursforschung. Ein interdisziplinäres Handbuch. Bielefeld 2014, 537-563.

L’analyse de discours « à la Foucault » en Allemagne: trois approches et leurs apports pour la sociologie (Foucaultsche Diskursanalyse in Deutschland: drei Ansätze und ihr Beitrag zur Soziologie). Langage et société 120, Paris 2007, 35-53 www.cairn.info/load_pdf.php?ID_ARTICLE=LS_120_0035, eingesehen am: 16.07.2019

Die Spur der Begriffe. Begriffsorientierte Methoden zur Analyse identitärer Zuschrei­bungen. In: Kerchner, Brigitte / Schneider, Silke (Hg.): Foucault: Diskursanalyse der Politik. Wiesbaden 2006, 308-327.

Konzepte des Feminismus: Gleichheit, Differenz und (De-) Konstruktion als Perspek­tiven politischen Handelns. In: Lundt, Bea/ Salewski, Michael (Hrsg.): Frauen in Europa: Mythos und Realität. Münster 2005, 461-488.

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