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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

abgeschlossene Projekte

Käthe von Bose
Klinisch rein – Zur Aushandlung von Reinigungsarbeiten im Krankenhaus. Eine Studie zum Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit

Sahra Dornick
Die Romane von Gila Lustiger im Kontext postmoderner Gesellschaftstheorie

Thomas Gloy
Moral im Nationalsozialismus

Inka Greusing
Rhetorische Modernisierung in den Ingenieurwissenschaften?
Eine Interviewstudie zur Verknüpfung von Fachhabitus, heterosexueller Matrix und Geschlechterwissen im akademischen Feld der Ingenieurwissenschaften

Die Dissertation ist im März 2018 bei Budrich UniPress erschienen. Titel: "Wir haben ja jetzt auch ein paar Damen bei uns" - Symbolische Grenzziehungen und Heteronormativität in den Ingenieurwissenschaften.

Anna Kasten
Alleinerziehende Mutterschaft als Technologie der heteronormativen Familienordnung. Diskursanalytische Studie über die Mitwirkung alleinerziehender Mütter bei der Feststellung der Vaterschaft im Unterhaltsvorschussgesetz in Deutschland und im Gesetz über Familienleistungen in Polen

Aline Oloff
Feministische Wissensproduktion in Frankreich unter dem Einfluss postkolonialer Debatten

Alek Ommert
Ladyfeste als queer-feministische Praxis 
Verhandlungen von Ausgrenzung und Teilhabe

Arn Sauer
Gender-based Analysis and Gender Impact Assessment. 
Canadian Best Practices for the European Institute for Gender Equality?

Pat Treusch
Care-Robot & Co
Humanoide als soziale Akteure am Beispiel technisch vermittelter Fürsorge- und Hausarbeit

Anna Voigt
Konstruktionen von "Männlichkeiten" und "Sexualitäten" in US-amerikanischen TV Serien und ihre Rezeption in Deutschland

Göde Both
Agency und Geschlecht in Mensch/Maschine-Konfigurationen am Beispiel von Virtual Personal Assistants

Judith Coffey

Die Liebesgeschichte als Ort der (Re)Produktion von Bürgerlichkeit. 
Exemplarische Analysen viktorianischer Romane

Lukas Engelmann
Krankheitsbild AIDS. 
Die medizinische Semantisierungsgeschichte von AIDS
aus der Logik des Bildes (Arbeitstitel)

Hannah Fitsch
Just to give you a picture.
Sicht- und Sagbarkeiten in der funktionellen Magnetresonanztomographie.

Nadine Heymann
Visual Kei: Praxen von Körper und Geschlecht in einer translokalen Subkultur

Ina Kerner
Differenzen und Macht. Zur Anatomie von Rassismus und Sexismus

Mike Laufenberg
Die Regierung der Sexualität
Subjektivität, Wahrheit und Macht im Zeitalter der Biologie 

Hanna Meißner
Bedingte Kontingenz. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Subjektivität und Handlungsfähigkeit

Silke Meyer
Differenzierungen und Ausschluss über Technik? 
Eine Studie zu den Machtverhältnissen in Linux User Groups

Tino Plümecke
Differenzforschung in den neuen Lebenswissenschaften

Thomas Viola Rieske 
Pädagogische Handlungsmuster in der Jungenarbeit

 

 

Käthe von Bose

Klinisch rein – Zur Aushandlung von Reinigungsarbeiten im Krankenhaus.
Eine Studie zum Verhältnis von Sauberkeit, Macht und Arbeit
(Arbeitstitel)

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich subjektivierende Aushandlungs- und Grenzziehungspraktiken bei Reinigungsarbeiten im Krankenhaus. Vor dem Hintergrund, dass mit Vorstellungen von und Arbeiten mit Schmutz, Sauberkeit und Hygiene Prozesse der Vergeschlechtlichung, Ethnisierung, Rassisierung und Sexualisierung verknüpft sein können, frage ich aus einer interdependenten und queertheoretischen Perspektive, wie sich bei verschiedenen Reinigungsarbeiten im Krankenhaus Machtverhältnisse formieren und in Bewegung geraten, wie Subjekte bei der Arbeit soziale Platzierungen und Grenzziehungen produzieren, verhandeln und umdeuten. Dabei gerät zudem in den Blick, welche sozialen Bedeutungen Schmutz, Sauberkeit und Hygiene bei der Arbeit zugeschrieben werden und wie diese Zuschreibungen auf die Arbeitenden und die Arbeit selbst zurückwirken. Schmutz, Sauberkeit und Hygiene – so die These – sind sowohl Produkte als auch Produzenten von sozialen Beziehungen, Hierarchien und Positionierungen im Arbeitsraum Krankenhaus.
Wie werden also Arbeiten, die Sauberkeit herstellen und Hygieneregeln einhalten sollen, ausgehandelt, delegiert und gewertet? Wie werden darüber Machtverhältnisse hergestellt und re-/stabilisiert? Und welche Möglichkeiten der (widerständigen) Umarbeitung solcher Verhältnisse, welche Verschiebungen in der sozialen Ordnung lassen sich bei der Arbeit mit Schmutz, Sauberkeit und Hygiene beobachten? Um diesen Fragen nachzugehen, beobachte ich teilnehmend in unterschiedlichen Arbeitsbereichen verschiedener Krankenhäuser und führe Interviews mit Beschäftigten mehrerer Hierarchieebenen.

 

Sahra Dornick


Die Romane von Gila Lustiger im Kontext postmoderner Gesellschaftstheorie


Gegenstand des Promotionsvorhabens bildet die literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse der Romane Gila Lustigers im Kontext postmoderner Gesellschaftstheorie. Das  interdisziplinäre Forschungsvorhaben zielt vor allem darauf, die bisher literaturwissenschaftlich wenig bis kaum gewürdigte literarische Arbeit Lustigers wissenschaftlich aufzuarbeiten und damit einen Beitrag zur Erforschung der Jüdischen Literatur der Zweiten Generation zu leisten. Angeleitet wird das Forschungsvorhaben von dem Anliegen, die Romane Lustigers in gegenwärtige theoretische und methodische Zusammenhänge der Soziologie und Kulturwissenschaften zu stellen. Eine Hauptthese des Forschungsvorhabens ist, dass sowohl Judith Butler als auch Lustiger mit ihren Texten ethische Entwürfe vorlegen, die an eine postsouveräne Konzeption des Subjekts anschließen. Neben einem Vergleich und einer Diskussion der jeweiligen Verweisungshorizonte beider Autorinnen soll, auf Grundlage einer kritischen Rekonstruktion der Ethik-Konzeption Judith Butlers, ein Raum des Dialogs zwischen Lustiger und Butler eröffnet werden. In diesem soll eine reflexive Verständigung über die Bedingung der Möglichkeit einer postsouveränen Ethik einerseits und über die Möglichkeiten von politischer Handlungsfähigkeit in der gegenwärtigen Gesellschaft andererseits erfolgen.

Thomas Gloy

Moral im Nationalsozialismus

Meine Dissertation befasst sich mit der Frage, welche spezifische Moral durch den Nationalsozialismus kreiert wurde, oder, in anderen Worten, wie sich der Nationalsozialismus selbst über eine spezifische Moral konstituiert hat. Wenn man über die Genese einer nationalsozialistischen Moral nachdenkt, eine Geschichte, die noch geschrieben werden muss, kommt einem sofort Michel Foucaults Diskurstheorie in den Sinn. Diese Theorie ist als eine Methode konzipiert, die Gegenwart als eine Situation zu rekonstruieren, die eine Geschichte hat. Sie erlaubt eine Rekonstruktion von Alltagsgeschichte mit all ihren Dynamiken und Transformationen. Denn moralisches ist kein beliebiges, sondern vielmehr machtvoll konstruiertes Wissen, welches eine Gesellschaft befähigt zwischen Gut und Böse zu differenzieren und hierüber ein System von In- und Exklusion organisiert. Moral zielt – und das ist besonders wichtig – auf die freiwillige Befolgung von Codes und Normen ab. Die Analyse der Formen, Kontinuität und Brüche in der Alltagsmoral des Nationalsozialismus kann also maßgeblich zur Klärung einer Frage beitragen, die bis heute nicht abschließend geklärt ist: wie konnte der Nationalsozialismus nach Übernahme der Regierungsgewalt so große Popularität und öffentliche Unterstützung erlangen?

Inka Greusing


Rhetorische Modernisierung in den Ingenieurwissenschaften?

Eine Interviewstudie zur Verknüpfung von Fachhabitus, heterosexueller Matrix und Geschlechterwissen im akademischen Feld der Ingenieurwissenschaften


Die Ingenieurwissenschaften in Deutschland halten sich als Männerdomäne, trotz der hiesigen Gleichberechtigungsnorm (Wetterer) und obwohl es seit Jahren Bemühungen gibt, das Geschlechterverhältnis in diesen Bereichen auszugleichen.

Mit der Forschungsfrage, ob und inwiefern das asymmetrische Geschlechterverhältnis (auch) in den Inhalten und Kulturen der Ingenieurwissenschaften selber begründet liegt, wurden Interviews mit Ingenieur_innen geführt. Unter Anwendung der Grounded Theory (Strauss/Corbin) wurden in dieser Dissertation mit der Mathematikhürde, der Ausnahmefrau und dem Heiratsmarkt drei Schlüsselkonzepte generiert. Anhand dessen wird aufgezeigt, wie Fachhabitus (Bourdieu) Heteronormativität (Butler) und Geschlechterwissen (Andresen/Dölling/Kimmerle) in der sozialen Praxis im Feld der Ingenieurwissenschaften verknüpft werden und wie diese Verknüpfungspraktiken als rhetorische Modernisierung (Wetterer) gedeutet werden können. Die drei Schlüsselkonzepte sind in einem gegenseitigen (re)konstitutiven Verweisungszusammenhang miteinander verwoben, der als unsichtbare Hintergrundfolie seine Wirkmacht entfaltet. Er sorgt dafür, dass Ingenieur_innen entweder als „soziale Wärme“ bringende Frauen oder als „mathematikinteressierte“ Männer immer wieder in ein binäres, identitätsstiftendes und naturalisiertes hierarchisches Geschlechterverhältnis gesetzt werden und so die heteronormative Feldordnung (re)produzieren. Dies ermöglicht, das soziale Feld der Ingenieurwissenschaften als mathematik- und technikzentrierte Männerdomäne aufrecht zu erhalten, die in einem dichotomen hierarchischen Geschlechterverhältnis zum Feld der Fürsorge steht. Dies geschieht trotz des Gleichberechtigungsideals, dem auch die Akteur_innen der Untersuchungsgruppe verpflichtet sind, und trotz der mehrfach formulierten Kritik an der mathematik- und technikzentrierten Ausbildung. Im Fazit wird die Notwendigkeit hervorgehoben, an den Fachkulturen der Ingenieurwissenschaften selbst anzusetzen, mit dem Ziel, die folgenschwere Verknüpfung der Ingenieurwissenschaften mit einer heteronormativ hierarchisch aufeinander bezogenen, bipolar verfassten Geschlechtsidentität aufzulösen. Abschließend werden Handlungsbedarfe formuliert.

Die Dissertation ist im März 2018 bei Budrich UniPress erschienen. Titel: "Wir haben ja jetzt auch ein paar Damen bei uns" - Symbolische Grenzziehungen und Heteronormativität in den Ingenieurwissenschaften. 

Weitere Informationen zu Inka Greusing

 

 

 

Anna Kasten

Allleinerziehende Mutterschaft als Technologie der heteronormativen Familienordnung. Diskursanalytische Studie über die Mitwirkung alleinerziehender Mütter bei der Feststellung der Vaterschaft im Unterhaltsvorschussgesetz in Deutschland und im Gesetz über Familienleistungen in Polen (Arbeitstitel)

Hintergrund des Dissertationsprojektes sind meine Beobachtungen der polnischen Presseberichterstattung anlässlich der Auflösung des Unterhaltsfonds während des Beitritts Polens in die Europäische Union im Jahr 2004 und der damit einhergehende Kampf um die heteronormative Familienordnung. Anhand der Wissenssoziologischen Diskursanalyse untersuche ich den Konstruktionsprozess alleinerziehender Mutterschaft im rechtlich-politischen Diskurs des § 1 Abs. 3 des Unterhaltsvorschussgesetzes in Deutschland und des Art. 7 Abs. 5b u. Art. 11a Abs. 1 Pkt. 2 des Gesetzes über Familienleistungen in Polen. Der heteronormativitätskritische Ansatz dient mir als Denkwerkzeug und als analytische Linie. In meiner Untersuchung befasse ich mich mit den Fragen: was bedeutet die heteronormative Familienordnung in den jeweiligen Diskursen und welche Machtverhältnisse werden über die heteronormative Familienordnung hergestellt und/oder aufrechterhalten. Meine besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle der Sozialen Arbeit und der Frage, welche Soziale Arbeit damit (un)möglich gemacht wird und welche Herausforderungen sich daraus für gendersensible Soziale Arbeit ergeben. Das Ziel der Dissertation ist die Herausarbeitung der produktiven Verknüpfungen zwischen heteronormativer Familienordnung und alleinerziehender Mutterschaft. 

 

 

Aline Oloff


Feministische Wissensproduktion in Frankreich unter dem Einfluss postkolonialer Debatten. (Arbeitstitel)

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich die Verhandlungen von Rassismus in feministischer Politik und Wissensproduktion in Frankreich.
Mich interessiert, wie der lokale und historische Kontext des postkolonialen Frankreichs politische Debatten und theoretische Reflexionen strukturiert. Dabei geht es mir darum, die Produktion lokal und historisch situierten Wissens nachzuvollziehen und die der Wissensproduktion innewohnende Dynamik zwischen politischer Bewegung und akademisch gewordenem Feminismus zu verstehen.
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Feststellung einer politischen wie epistemischen Wende in der ersten Hälfte der 2000er Jahre, die gegenwärtig im Feld der feministischen Forschung und den Gender Studies in Frankreich diskutiert und die häufig mit jüngeren  politischen Debatten (Prostitution, Kopftuch) sowie mit der verstärkten Rezeption in erster Linie us-amerikanischer Theorien in Verbindung gebracht wird. Gegenstand der "Erneuerung" ist die Reflexion auf das Verhältnis von Rassismus und Sexismus, dass, so die  Vertreterinnen der Erneuerungsthese, bislang als Analogie, nun aber als Verschränkung, als ineinandergreifend gedacht werde.
Diese These einer theoretischen Neuorientierung (im deutschsprachigen Kontext läuft eine vergleichbare Diskussion um das „neue“ Paradigma der Intersektionalität) aufgreifend, begebe ich mich zunächst auf Spurensuche und frage nach der bisherigen Auseinandersetzung mit Rassismus - im Bewegungskontext (graue Literatur, Zeitschriften), im akademischen Feminismus (Zeitschriften, Tagungsbände, Einführungen) sowie in prominenten Theorieproduktionen (Beauvoir, materialistischer Feminismus). Anschließend werde ich aktuelle Debatten und Entwürfe nachvollziehen und diskutieren.
In beiden Fällen geht es mir darum, Resonanzen zwischen politischen Ereignissen und darum kreisenden Diskussionen und der Ebene der Wissensproduktion aufzuspüren und zu verstehen, inwiefern und auf welche Weise politische Herausforderungen Wissensproduktionen antreiben und sich auf der epistemischen  Ebene der Gegenstände und Wissensobjekte niederschlagen.



Alek Ommert


Ladyfeste als queer-feministische Praxis - Verhandlungen von Ausgrenzung und Teilhabe (Arbeitstitel)


Im Zentrum der Arbeit steht der Untersuchungsgegenstand „Ladyfest“, ein relativ junges und internationales Phänomen, das sich seit 2003 auch im deutschsprachigen Kontext immer weiter verbreitet. Die festivalartigen Veranstaltungen schaffen Plattformen und Diskussionszusammenhänge für queer-feministische Aktivist_innen vielfältigster Hintergründe, für politischen, theoretischen, kulturellen und künstlerischen Austausch und für Vernetzung. Ladyfeste bilden  eine Form von queer-feministischem, nicht-institutionellem Aktivismus, in dem gegenwärtige Geschlechterverhältnisse sowie sexuelle Praxen kritisiert und diskutiert werden. Darin finden immer wieder Verhandlungen über Ausgrenzung und Teilhabe in Bezug auf verschiedenste Kontexte statt.
In der Arbeit werden Ladyfeste im Kontext vielfältiger Vorläufer_innen verortet: zwischen der riot-grrrl-Bewegung, der Punk- und Hardcore-Szene, autonomen Zusammenhängen, der Frauen- und Lesbenbewegung und feministischen und queeren Diskussionszusammenhängen.
Im Fokus der Arbeit steht, wie Praktiken der Ausgrenzung und Teilhabe im Ladyfest-Kontext verhandelt werden. Welche Argumente, Zielsetzungen und Ansprüche werden formuliert? Welche Strategien und Praktiken folgen daraus? Dies knüpft an die These an, dass Fragen um Identitätspolitiken und deren Kritiken zentrale Bestandteile der konkreten Aushandlungspraxen im Ladyfeste-Kontext sind.
Die theoretischen Hintergrundfolien zur Interpretation des empirischen Materials bilden queere, feministische und postkoloniale Theorien, Debatten um Intersektionalität und Diversity.

Arn Sauer


Gender-based Analysis and Gender Impact Assessment. Canadian Best Practices for the European Institute for Gender Equality?

Ich führe eine international vergleichende Analyse des Implementierungsstandes von gleichstellungsorientierten Folgeabschätzungsinstrumenten in der Politikberatung zwischen Kanada und der Europäischen Union durch. Dabei untersuche ich im Rahmen der Umsetzung der Gender Mainstreaming Strategie Konzepte, Einsatzgebiete (z.B. Entwicklungs-, Gesundheits-, Einwanderungspolitik) und Ausprägungen der Gleichstellungsinstrumente Gender-based Analysis (GBA) in der kanadischen nationalstaatlichen Regierungsadministration und Gender Impact Assessment (GIA) bzw. Gender als Teil des Social Impact Assessments in den supranationalen Institutionen der EU. Im Zuge der Weltfrauenkonferenz in Peking haben sich Kanada und alle Länder der EU 1995 u.a. dazu verpflichtet, Gleichstellungsziele bei der täglichen Arbeit und in allen Routinen und Verfahren als Querschnittsaufgabe zu berücksichtigen. Forschungsleitend wirkte meine Hypothese, dass sowohl Kanada als auch die EU
seit 1995 respektive 1998 über Gender Mainstreaming Instrumente verfügen, aber deren Anwendung nicht systematisch sicherstellen bzw. überwachen. Mittels Methoden der qualitativen Sozialforschung und der komparativen Politikwissenschaft untersuche ich, ob und inwieweit sich Kanada aufgrund innovativer intersektionaler Ansätze und seiner jüngsten GBA-Implementierungsreform als Beispiel guter Praktiken für die Gleichstellungsprozesse und Governance Strukturen der EU, inklusive der neu gegründeten Europäischen Gleichstellungsagentur, eignet.

Pat Treusch

Care-Robot & Co: Humanoide als soziale Akteure am Beispiel technisch vermittelter Fürsorge- und Hausarbeit

Mein Dissertationsprojekt „Care-Robot & Co: Humanoide als soziale Akteure am Beispiel technisch vermittelter Fürsorge- und Hausarbeit“ (Arbeitstitel) untersucht aktuelle Technikgestaltungsprozesse und gesellschaftliche Transformationsprozesse in ihrem Verhältnis zueinander.

Angesichts weit verbreiteter Zukunftsszenarien einer drohenden Überalterung der Gesellschaft bekommt die Frage, wer die zusätzlich anfallende Fürsorgearbeit leisten soll, eine hohe Relevanz. Die Innovation eines Robotersystems, das im Privathaushalt sowie in Pflegeeinrichtungen ‚seine Arbeitskraft’ für diese Care-Work zur Verfügung stellt, scheint die technologische Lösung des gesellschaftlichen Problems darzustellen.

Das humanoide Assistenzrobotersystem dient mir als exemplarischer Modus für das Zusammenwachsen und Zusammenwirken von Mensch und Technik in ‚technowissenschaftlichen’ Zeiten. Von Interesse sind die ‚onto-epistemologischen’ Konsequenzen dieser Form der Technikgestaltung. Das meint, die (materiellen) Transformationen von Natur, Kultur, Technologie, Gesellschaft, Körpern und Geschlecht, die mit dem Humanoiden als sozialem Akteur der Fürsorge einhergehen, herauszuarbeiten. Im Fokus meiner Analyse stehen die konkreten Praktiken der Grenzziehung zwischen Mensch/Maschine, natürlich/künstlich und organisch/inorganisch in spezifischen Robotiklaboren.

Mein Projekt verorte ich innerhalb von Ansätzen der Artefakt-, bzw- Techniksoziologie. Gleichzeitig verweist mein Dissertationsprojekt auf geschlechtertheoretische Leerstellen dieser und intendiert, – eine feministische Analyseperspektive einnehmend –, die aktueller Technikgestaltung impliziten Macht- und Herrschaftsverhältnisse herauszuarbeiten. Dem gemäß spannt sich das Projekt interdisziplinär zwischen artefakt- und techniksoziologischen Ansätzen, Ansätzen eines neuen „Feminist Materialism“, Ansätzen feministischer Technowissenschaftsstudien und feministischen Debatten zu Care-Work auf.

Kontakt: Pat_Treusch(at)yahoo.com

Anna Voigt


Konstruktionen von "Männlichkeiten" und "Sexualitäten" in US-amerikanischen TV Serien und ihre Rezeption in Deutschland (Arbeitstitel)


Das Ziel meiner Dissertation ist das Aufspüren von in populären Unterhaltungsformaten vermitteltem Wissen über Geschlecht. Mit einer kritischen Diskursanalyse untersuche ich dazu, wie Männlichkeiten und Sexualitäten konstruiert werden. Eine meiner Grundannahmen ist, dass Medien sehr machtvolle Konstrukteure von Wirklichkeiten sind. Die Herausarbeitung von Brüchen und gesellschaftlichen Widersprüchen und Aushandlungsprozessen und deren Niederschlag in Fernsehunterhaltung ist Gegenstand dieser Arbeit. Fragen die sich mir stellen sind: Wie werden die Bestandteile der Trias sex, gender und sexuelle Orientierung aufeinander bezogen? Welche naturwissenschaftlichen Erklärungen und Sexualitäten und sexualwissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich in den Unterhaltungssendungen rekonstruieren? Welche Rolle spielen politische Auseinandersetzungen in den Serien? Das Augenmerk meiner Arbeit richtet sich dabei darauf, diskursanalytische Zugänge für feministische Fernsehforschung nutzbar zu machen.


Göde Both

Agency und Geschlecht in Mensch/Maschine-Konfigurationen am Beispiel von Virtual Personal Assistants

In meiner Informatik-Diplom-Arbeit analysiere ich Virtual Personal Assistants (VPA) aus den Blickwinkeln der Informatik und der feministischen Technikforschung. VPAs sind Software-Agenten, an die Aufgaben delegiert werden können und welche sie bis zum einem gewissen Grad selbstständig lösen. Dabei soll der Agent die Vorlieben der Nutzer_innen im Laufe der Zeit erlernen, umso bessere Entscheidungen treffen zu können. Die Kommunikation mit dem Agenten soll in Umgangssprache erfolgen. Zum Beispiel könnte eine Aufgabe lauten: „Wo finde ich hier in der Nähe eine Apotheke, die um diese Zeit geöffnet hat?“ Der Agent würde daraufhin seine Quellen durchsuchen und die Ergebnisse präsentieren, welche den Kriterien entsprechen.

Bis in die frühen 2000er Jahre existierten VPAs nur in den visionären Szenarien der Informatik oder im Science-Fiction-Genre. Gegenwärtig gibt es Artefakte, die als ihre Realisierung angepriesen werden, zum Beispiel die iPhone-Applikation „SIRI“ (2009/10). Im Rahmen meiner Diplom-Arbeit vergleiche ich „SIRI“ mit zwei älteren Szenarien: „Knowledge Navigator“ (1987) und „The Semantic Web“ (2001). Meine Forschungsfrage lautet, wie in den unterschiedlichen Settings, die Mensch/Maschine-Konstellationen konfiguriert werden und wie sie dabei die symbolisch-strukturelle Geschlechterordnung perpetuieren oder unterlaufen.

Zur Analyse der distributed agency (verteilte Handlungsfähigkeit) orientiere ich mich an den Arbeiten von Lucy Suchman und Bruno Latour. Ihr Ansatz besagt, dass agency kein inhärentes Attribut eines menschlichen oder nicht-menschlichen Agenten ist, sondern viel mehr als Effekt ihrer gemeinsamen „Intra-Aktion“ (Karen Barad) hervorgebracht wird. Diesem Paradigma folgend, möchte ich untersuchen, wie in den Settings der VPAs agency (neu) verteilt wird und welche Verschiebungen innerhalb der Geschlechterordnung statt finden.

Judith Coffey


Die Liebesgeschichte als Ort der (Re)Produktion von Bürgerlichkeit. Exemplarische Analysen viktorianischer Romane


In meinem in der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft angesiedelten Dissertationsprojekt untersuche ich im realistischen Modus erzählte Liebesgeschichten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. In meinen exemplarischen Analysen viktorianischer Romane interessiert mich vor allem die Frage, wie Heteronormativität produziert und naturalisiert wird, indem Geschlecht, Sexualität und Begehren fest mit 'Liebe' verknüpft und an die Produktion einer weißen bürgerlichen Norm gekoppelt werden. Meine Analyse setzt auf einer formalen bzw. strukturellen Ebene an, und fragt danach, welche Bedeutungen sich in der Form und der Erzählweise der Liebesgeschichte sedimentiert (oder abgelagert) haben, unter der Prämisse, dass die nach diesem Modell erzählte Liebesgeschichte nach wie vor beträchtliche kulturelle Wirkung entfaltet.


Lukas Engelmann


Arbeitstitel: Krankheitsbild AIDS.

Die medizinische Semantisierungsgeschichte von AIDS aus der Logik des Bildes
(Arbeitstitel)


In meiner medizin- und kulturhistorisch ausgerichteten Dissertation ehe ich der Verwissenschaftlichung von AIDS nach. Untersuchungsmaterial und Ausgangspunkt sind medizinische Fachatlanten zu AIDS, die als Ordnungssysteme einer visuellen Epistemik bearbeitet werden. Darin untersuche ich die wissenschaftliche Semantisierung von AIDS erstens aus medizinhistorischer Perspektive auf die Abbildungstraditionen von Krankheit, zweitens mit bildwissenschaftlichen Instrumenten in der Auseinandersetzung mit Bildlogiken und drittens mit der wissenschaftstheoretischen Frage nach der Herausbildung des ’disziplinierten’ Gegenstands. Ziel ist es zunächst, das “Krankheitsbild AIDS” im Kontext wissenschaftlicher Visualisierung auszuleuchten. Den diskursiven Hintergrund bildet ein Normalisierungsprozess, den ich als weitgehende Entdramatisierung der AIDS-Epidemie in den USA und Europa einordne. Hier richtet sich mein Interesse auf die Transformation jener Metaphern, deren exzessive Zirkulation AIDS auch als Epidemie der Signifikation gekennzeichnet hat. Ich frage mit der Dissertation nach den Normalisierungseffekten wissenschaftlicher Semantisierung und damit nach den sichtbaren und unsichtbaren Spuren der ethnifizierten, sexualisierten und vergeschlechtlichten Körper, die dem “Krankheitsbild AIDS” eingeschrieben sind.



Hannah Fitsch


Just to give you a picture.
Sicht- und Sagbarkeiten in der funktionellen Magnetresonanztomographie.



Die kognitive Neurowissenschaft ist eine der einflussreichsten Wissenschaften in Bezug auf gesellschaftliche Vorstellung und Diskurse über den Menschen im 21. Jahrhundert. Der Siegeszug, den die Gehirnforschung in den letzten 20 Jahren antrat, hatte seinen Grund nicht zuletzt in der Entwicklung und Einführung bildgebender Verfahren. Mit Hilfe der computertomografischen Verfahren werden scheinbar objektive Bilder produziert, die als Abbild des menschlichen Inneren interpretiert werden. Der aufwendige und komplexe Herstellungsprozess wird in der Rezeption dieser Bilder in der Regel nicht mehr reflektiert. Diese apparativ erzeugten Bilder bieten durch die Visualisierung von bislang Unbekanntem neue Seherfahrungen. Damit diese computergenerierten Bilder einen Evidenzstatus erhalten können, müssen sie zunächst normalisiert, für das Auge lesbar gemacht werden. Die Lesbarkeit der Bilder ist somit stark abhängig von dem gesellschaftlich etablierten Diskurs, in dem sie hergestellt werden. Damit das sichtbar gemachte Unsichtbare auch einen Evidenzstatus erhalten kann, muss es sich in Gewohnheiten einschreiben (Gugerli), oder eben umgekehrt: Damit das sichtbar gemachte Unsichtbare interpretiert und ‚gelesen’ werden kann, schreiben sich gesellschaftliche Vorstellungen vom Menschen – darunter auch dualistische Kategorien von aktiv/ passiv, männlich/ weiblich, krank/ normal – in die Lesarten der Bilder ein. Bei der Bearbeitung der im Scanner erhobenen Daten stellt die Visualisierung nicht allein das Ziel eines Auswertungsprozesses dar. Vielmehr ist die Anzeige der Daten in Bildform immer schon Bestandteil ihrer Verarbeitung und trägt nicht selten ihren Teil zur Realisierung eines bereits zu erwartenden Ergebnisses bei. Was aber bedeutet es, wenn ein ganzer Forschungsbereich der mit fMRT arbeitet, vom Konzept des Experiments, über die verwendete Technik, bis hin zu den Auswertungsverfahren, Bilder zur Referenz ihrer Überlegungen macht? In Anlehnung an den Begriff der visuellen Rationalität (Burri 2008) möchte ich die Dimension der visuellen Logik im Auswertungsprozess statistischer Daten näher betrachten.

Nadine Heymann

Visual Kei: Praxen von Körper und Geschlecht in einer translokalen Subkultur

„Eine gute Dosis Dark Gothic, vermischt mit einem Schuss Chic, und so lange gemixt, bis es androgyn ist." So wird die Visual-Kei-Band „D’espairsRay“ im Fernsehbeitrag eines Musikmagazins beschrieben. Visual Kei – was als „visuelles System“ übersetzt werden kann – ist mit der Jahrtausendwende von Japan nach Europa gekommen. Für Musik aus Japan und für Visual Kei haben vor allem die Möglichkeiten von Web 2.0, schnelle Breitbandanschlüsse und Social Media Plattformen zur Vernetzung und Selbstdarstellung den Weg für eine Rezeption in Deutschland geebnet.
Die Inszenierungspraxen im Visual Kei – die hier als „androgyn“ beschrieben werden – führen zu einem bemerkenswertem Effekt: das Geschlecht der Protagonist_innen ist für Außenstehende nicht mehr zu erkennen bzw. zu unterscheiden und Konzeptionen von Körper und Geschlecht erscheinen fluide. Die vertraute Geschlechtsbinarität wird überschritten: eine Zuordnung zu den Polen „männlich“ oder „weiblich“ wird erschwert und auch heterosexuelles Begehren wird in Frage gestellt. Körper erscheinen als unendlich form- und veränderbar, und die Blicke der Betrachtenden werden immer wieder irritiert. Und es war genau diese Irritation, die mein Interesse weckte, mich näher mit der Subkultur Visual Kei und ihren Protagonist_innen in Deutschland auseinander zu setzen.
Ich frage danach, wie sich Subjekte in und durch Praxis konstituieren und darin zu anerkannten Subjekten werden. Inwiefern ist die Subkultur Visual Kei als Verletzung autorisierter Codes, welche die soziale Welt organisieren und erfahrbar machen, in der Lage diese zu provozieren, zu stören und zu irritieren?

Ina Kerner


Differenzen und Macht
Zur Anatomie von Rassismus und Sexismus


Politik der Geschlechterverhältnisse, Bd. 37
2009 - 413 Seiten - Kartoniert
ISBN: 978-3-593-38595-2

Wie können die Funktionsmechanismen und das Verhältnis von Rassismus und Sexismus angemessen beschrieben werden? Um diese Frage zu beantworten, führt Ina Kerner zentrale Positionen der Rassismustheorie, der Geschlechtertheorie und der aktuellen Debatte über Verschränkungen verschiedener Formen von Macht und Ungleichheit zusammen. Sie plädiert für eine integrative Sichtweise, die Rassismus und Sexismus als mehrdimensionale Machtrelationen fasst und dabei Ähnlichkeiten, Unterschiede, Kopplungen und Intersektionen zwischen ihnen berücksichtigt.

Aus dem Inhalt:

  • Facetten der Macht,
    Dimensionen von Rassismus und Sexismus
  • Rassismus
  • Sexismus
  • Zum Verhältnis von Rassismus und Sexismus


Information des Campus-Verlag als PDF zum download

Weitere Informationen zu Prof. Dr. Ina Kerner


Mike Laufenberg


Die Regierung der Sexualität – Subjektivität, Wahrheit und Macht im Zeitalter der Biologie

Von einer Regierung der Sexualität zu sprechen, beinhaltet einen doppelten Genitiv: Als genitivus objectivus ist Sexualität Gegenstand von Regierungstechniken, d.h. sie wird im weitesten Sinne zum Objekt von Praktiken, die das Ziel haben, sie zu steuern. Gleichzeitig kann Sexualität als genitivus subjectivus selbst als etwas gedacht werden, das regiert, und das hieße, in ihr eine Technik zu sehen, mittels derer Menschen geführt werden können. In der Dissertation werden Prozesse der Konstituierung von sexueller Subjektivität als zentraler Modus und als Funktionsweise solcher Regierungstechniken untersucht. Ausgehend von einer Co-Produktion von gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Wissen über „sexuelle Orientierungen“ wird die Biologie als besonderes Produktionsregime von Wahrheitsdiskursen erschlossen, das in der Geschichte sexueller Subjektivitäten und der vielfältigen Versuche, diese regierbar zu machen, eine bedeutende Rolle spielt. Wissen aus Genetik, Neurowissenschaften oder Endokrinologie wird Bestandteil von Regierungswissen und damit zum Gegenstand und Medium von Auseinandersetzungen, in denen es um mehr geht als die alte Frage nach den „Ursachen“ etwa von Homo- oder Transsexualität. Die Verwissenschaftlichung und gleichzeitige Politisierung sexueller Subjektivitäten geht im Zeitalter der Biologie vielmehr mit Kämpfen einher, in deren Kern es um die Frage geht, welche Existenzweisen und Körper wir als lebbar erachten.


Hanna Meißner


Bedingte Kontingenz. Zur gesellschaftlichen Konstitution von Subjektivität und Handlungsfähigkeit


Die Vorstellung eines autonomen Subjekts ist seit längerem in der Krise. Wie lässt sich aber Handlungsfähigkeit ohne Rückgriff auf eine unabhängige Instanz im Individuum denken? Antworten, die Judith Butler, Michel Foucault und Karl Marx aus unterschiedlichen Analyseperspektiven auf diese Frage bieten, entfalte ich systematisch und beziehe sie aufeinander. Mein Anliegen ist allerdings nicht die Entwicklung eines einheitlichen Theoriegebäudes, vielmehr arbeite ich heraus, inwiefern sich diese drei Perspektiven an ihren analytischen Grenzen gegenseitig über bestimmte stillschweigende Voraussetzungen informieren können. Eine solche, die analytische Unabhängigkeit der einzelnen Perspektiven bewahrende, Relektüre erschließt neue Zugänge zur vieldiskutierten Problematik postsouveräner Subjektivität. Am Beispiel der Geschlechterdifferenz rekonstruiere ich unterschiedliche strukturelle Dimensionen einer historischen Konstellation, in der Autonomie – als Verleugnung der konstitutiven Abhängigkeit –  als eine Bedingung subjektiver Handlungsfähigkeit erscheint. Zugleich eruiere ich eine Kritikstrategie, die an den Dynamiken dieser spezifischen Form ansetzt und Handlungsfähigkeit als historisch bedingte Möglichkeit der Subjekte begreift, sich zu den Verhältnissen verhalten zu können.

Weitere Informationen zu Hanna Meißner

Silke Meyer


Differenzierung und Ausschluss über Technik? Eine Studie zu den Machtverhältnissen in Linux User Groups

In meiner Dissertation untersuche ich Gruppen, die "freie" Software entwickeln und verbreiten. Linux hat den Anspruch, ComputernutzerInnen von ökonomischen und rechtlichen Zwängen zu befreien. Das Konzept und die Entwicklungspraxis von "freier" Software haben über den Softwarebereich hinaus Debatten über alternative Produktionsweisen, Demokratie und Eigentumskonzepte angestoßen. "Freier" Software wird oft ein geradezu subversives Potenzial zugeschrieben. Ich untersuche, welche Machtverhältnisse in der Praxis von Linux User Groups (re-)produziert werden, die dem emanzipatorischen Anliegen "freier" Software zuwiderlaufen. Linux User Groups (LUGs) sind innerhalb der Community zentrale Plattformen für Wissenstransfer. Mich interessiert, über welche Praktiken sie sich als LUGs konstituieren, wie dort der Anspruch umgesetzt wird, Wissen "frei" zu teilen und wie die "freie" Software in diese Praktiken involviert ist. Schließlich untersuche ich wie und entlang welcher Kriterien in diesen Praktiken Differenz hergestellt wird. Welche Machtverhältnisse werden dadurch (re-)produziert oder neu etabliert?

Tino Plümecke


Differenzforschung in den neuen Lebenswissenschaften

Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftsforschung, Soziologische Theorie, Kritik, Poststrukturalismus



Publikationen (Auswahl):

2009     Rassifizierte Gene: Zur Aktualität biologischer »Rasse«-Konzepte in den neuen Lebenswissenschaften. (zusammen mit Thomas Brückmann und Franziska Maetzky) In: AG gegen Rassismus in den Lebenswissenschaften (Hg.): Gemachte Differenz: Kontinuitäten biologischer »Rasse«-Konzepte. Münster: Unrast, S. 20-64
2008    Widerstand: Die Regierbarkeit des Willens zur Veränderung. In: Haug, Christoph et al. (Hg.): Kampf um Teilhabe. Akteure, Orte, Strategien. Hamburg VSA.

Thomas Viola Rieske


Pädagogische Handlungsmuster in der Jungenarbeit (Arbeitstitel)

In meinem Dissertationsprojekt beschäftige ich mich mit der geschlechtsbezogenen Pädagogik mit Jungengruppen. Im Zentrum des Interesses stehen Projekttage/Seminare/Workshops, in welchen mit Jungen pädagogisch in Bezug auf Geschlechtlichkeit gearbeitet wird. Solche Veranstaltungen stellen Heranwachsenden Möglichkeiten zur Verfügung, methodisch angeleitet ihre Selbst- und Weltverhältnisse zu entwickeln und sich über das Leben und Handeln in unserer Welt zu verständigen. Gemeinsamer Bezugspunkt ist der Versuch, Jungen in ihrer jeweiligen Lebensbewältigung zu unterstützen, wobei Differenzen darüber bestehen, worin diese bzw. eine wünschenswerte Lebensbewältigung besteht und wie eine entsprechende Unterstützung zu gestalten sei. Die bisherige Wissensproduktion dazu ist häufig entweder programmatischer Natur oder diskutiert die theoretischen Voraussetzungen derartiger Programmatiken. Empirische Untersuchungen zur Praxis der geschlechtsbezogenen Pädagogik mit Jungen existieren hingegen kaum.
In meiner Studie möchte ich durch eine beobachtende Teilnahme an derartigen Veranstaltungen und Gesprächen mit den Pädagog_innen konkrete pädagogische Handlungsweisen und dazugehörige Begründungen erheben. Von besonderem Interesse ist dabei der jeweilige Umgang mit der genannten Gestaltungsfrage. In einem subjektwissenschaftlich konzipierten Forschungsprozess geht es mir darum, jeweils fallbezogen die Elemente (z.B. institutionelle und theoretische Prämissen, methodische Formen, Begründungsfiguren) zu rekonstruieren, die im Zusammenhang mit einzelnen pädagogischen Vorgängen und der Verständigung darüber stehen.
Ziel der Studie ist nicht, einzelne Praxisformen zu bewerten, sondern empirisch fundiertes Wissen über die Praxis der geschlechtsbezogenen Pädagogik mit Jungen zu gewinnen, auf dieser Basis die Möglichkeiten und Probleme dieser Praxis zu rekonstruieren und damit die Auseinandersetzung mit der Bildung von Geschlechterverhältnissen zu befördern.

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