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Stellungnahme des ZIFG der TU Berlin

zu den Solidaritätsbewegungen gegen strukturellen Rassismus und seine Intersektionen #BlackLivesMatter, Juni 2020

Im politisch, sozial und gesundheitlich turbulenten Jahr 2020 gehen vor allem junge Menschen weltweit auf die Straße, um gegen Rassismus und insbesondere Anti-Schwarzen Rassismus, der von Kolonialität und Versklavung ausgehend in jedem gesellschaftlichen System weiter existiert, zu protestieren.

Das Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIFG) der TU Berlin solidarisiert sich mit den Betroffenen von rassistischer Gewalt und strukturellem Rassismus. Als Wissenschaftler*innen sehen wir uns in der Verantwortung, zum Wissen um diese historischen Diskriminierungs- und Unterdrückungsstrukturen in allen gesellschaftlichen Feldern, auch innerhalb der wissenschaftlichen Institutionen, beizutragen. Als Einrichtung an einer Technischen Universität sehen wir es als unsere Aufgabe in Forschung und Lehre, rassistische, sexistische und andere diskriminierende Einschreibungen in wissenschaftlichen Theorien und aktuellen Technologien herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie sie soziale Hierarchien und damit verbundene Exklusionen hervorbringen und normalisieren, um sie einer fundiert kritisch reflexiven Diskussion zugänglich zu machen. Als Beschäftigte, als Forschende und Lehrende tragen wir außerdem Verantwortung dafür, uns in den wissenschaftlichen Institutionen diskriminierungskritisch für einen »respektvollen und sensiblen Umgang miteinander«1 einzusetzen. Dafür gilt es, institutionelle Strukturen und Praktiken zu schaffen, die die Einzelnen in diesen Zielen unterstützen und es Betroffenen ermöglichen, gegen Diskriminierung und Marginalisierung vorzugehen. Wir begrüßen daher ausdrücklich die Verabschiedung des Berliner Landesantidiskriminierungsgesetzes (LADG)2, das öffentliche Einrichtungen – somit auch die Universitäten – in die Verantwortung für ihr diskriminierungsrelevantes Handeln nimmt.

Auslöser der aktuellen transnationalen Solidaritätsbewegung waren Videoaufnahmen der Tötung des Schwarzen Bürgers der Vereinigten Staaten von Amerika, George Floyd, in Minneapolis, Minnesota. Gefilmt wurde die Tötung von der siebzehnjährigen Darnella Frazier. In den sich global um dieses Ereignis formierenden Mobilisierungen werden zugleich jeweils lokale Bezüge zu normalisierter polizeilicher Gewaltanwendung rassistisch verfasster Gesellschaften hergestellt. In den Protesten und Solidaritätsbekundungen treffen sich zwei Bedeutungslinien der ersten Jahreshälfte 2020: Die massive soziale, gesellschaftliche und gesundheitliche Ungleichverteilung von Ressourcen einerseits, die dazu geführt hat, dass vor allem rassistisch marginalisierte und ökonomisch deprivilegierte Gruppen an COVID-19 leiden und sterben und andererseits ein Hoffnungsschimmer, dass vor allem junge Menschen Empathie für die Lage vulnerabler Gruppen aufbringen und soziale Veränderungen gemeinsam einfordern.

Es gibt uns Hoffnung, dass sich sehr unterschiedlich positionierte Menschen – auch in Berlin, Stuttgart, Hamburg, München, Dresden und anderen Orten in Deutschland – durch diese symbolhaften Verluste motiviert zusammengeschlossen haben und auf die Straße gegangen sind. Sie machen gemeinsam sichtbar, was nicht zuletzt die #BlackLivesMatter-Bewegung seit sieben Jahren (2013) veröffentlicht, nämlich dass die Normalisierung von Anti- Schwarzem Rassismus folgenreich ist, dass Anti-Schwarzer Rassismus auf einer konstanten Geringschätzung und Abwertung von Schwarzem Leben gründet und dass Anti-Schwarzer Rassismus dehumanisiert und tötet. Aber auch andere Formen des Rassismus sind virulent, so ist die Normalisierung von Anti-Asiatischem Rassismus in und durch die COVID-19 Krise massiv angestiegen. Die Anschläge in Hanau wiederum haben auf fatale Weise die Folgen Anti-Muslimischen Rassismus sichtbar gemacht. Auch hier gilt Solidarisierung als Gegenkraft zur Marginalisierung und Exklusion.

Wir solidarisieren uns mit den überwiegend jungen Menschen, die sich in dieser turbulenten Zeit für soziale und gesundheitliche Veränderungen einsetzen, die sich für die Gleichstellung rassistisch marginalisierter Gruppen und für den Abbau von Formen rassistischer Dehumanisierung einsetzen.

Viele von uns, die gesundheitlich vulnerabel sind, können sich derzeit nicht in öffentlichen Versammlungen engagieren. Die Last dieser öffentlichen Mobilisierung ist daher ungleich verteilt. Es ist eine besondere Verantwortung für junge bzw. gesundheitlich weniger vulnerable Menschen. Wir wünschen allen, die sich engagieren, Kraft und Klarheit. Passt auf Euch und aufeinander auf! #StaySafe

 

1 www.tu.berlin/nachrichtendetails/tu-berlin-ruft-zum-respektvollen-und-sensiblen-umgang-miteinander-auf/, letzter Aufruf: 26.06.2020.

2 www.berlin.de/sen/lads/recht/ladg/, letzter Aufruf: 26.06.2020.

 

Weiterführende Lektüre & Links zum aktuellen Thema:

Black Lives Matter Berlin. Statement by Prof. Maisha Auma on behalf oft he organization Generation Adefra, Black Women in Germany, www.adefra.com/index.php/blog/73-black-lives-matter- berlin-statement-by-prof-maisha-auma-on-behalf-of-the-organization-generation-adefra-black- women-in-germany, letzter Aufruf: 26.06.2020.

LADG: Berliner Landes-Antidiskriminierungsgesetz (LADG), www.berlin.de/sen/lads/recht/ladg/, letzter Aufruf: 26.06.2020.

Maisha Auma: Prozessbegleitung UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft (2015 – 2024), ADEFRA, www.adefra.com/index.php/blog/86-prozessbegleitung-un-dekade-fuer-menschen- afrikanischer-herkunft-2015-2024, letzter Aufruf: 26.06.2020.

Rat für Migration: Stellungnahme: Sars-CoV-2 und die (un)gleiche Vulnerabilität von Menschen, rat-fuer-migration.de/2020/04/14/sars-cov-2-und-die-ungleiche-vulnerabilitaet-von-menschen/, letzter Aufruf: 26.06.2020.

Saraya Gomis, Daniel Gyamerah: Fünf Vorschläge für eine anti-rassistische politische Agenda, in: ZEITonline vom 06.06.2020, www.zeit.de/politik/deutschland/2020-06/rassismus-schwarze- politische-agenda-menschenrechte, letzter Aufruf: 26.06.2020.

Schwarzsein und Rassismus in Deutschland - Interdisziplinäre Perspektiven, Online Panel, WWU Münster, www.jura.uni-muenster.de/de/institute/imr/veranstaltungen/schwarzsein-und- rassismus/, letzter Aufruf: 26.06.2020.

 

Hier ist das Solistatement als PDF.

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